Blocksatz im Internet

Den Blocksatz habe ich in jungen Jahren mit Messer zwischen den Zähnen verteidigt, was anderes kam mir nicht aufs Blatt. Linksbündige Texte empfand ich als unästhetisch, und sie strahlten so etwas Unfertiges aus; als ob sie darauf warteten, noch den letzten Feinschliff zu erhalten.

Eines Tages kam der Trend zum Linksbündigen auf; selbstverständlich habe ich mich dem zunächst verweigert. Inzwischen bin ich umgefallen. Warum, was spricht eigentlich gegen dieses schöne Gestaltungsmittel? Für alles, was online publiziert wird, ist es bedingt tauglich, da in Internettexten keine Trennungen verwendet werden. Ein Beispiel aus dem vorigen Artikel demonstriert es:

Löcher im Blocksatz-Text

Hier Trennungen einzuarbeiten, erhöht den Aufwand beim Publizieren massiv. Oder mit dem Typolexikon gesprochen: “Ein qualitativ hochwertiger Blocksatz muss grundsätzlich immer händisch nachbearbeitet werden.” Für den professionellen Online-Einsatz eignet sich das nicht. Berücksichtigen Sie auch die Spaltenbreite: Je schmaler der Text, desto Loch.

Noch sind wir bei der Optik, jetzt geht es ans Eingemachte, denn der Blocksatz ist schlechter lesbar. Flattersatz (= alle Bündigen) bietet mit seinen unterschiedlichen Zeilenlängen mehr Abwechslung fürs Leserauge. In Bezug auf die visuelle Verarbeitung ist der Blocksatz also schlicht eintöniger.

Vielleicht ist das individuell verschieden, zumindest war es mir in Büchern noch nie negativ aufgefallen. Allerdings glaube ich, dass bei Internettexten etwas dran ist. Lesen am Monitor strengt im Vergleich zu Druck-Erzeugnissen ohnehin mehr an, und die Kombination aus den teilweise löchrigen Texten und der monotoneren Wirkung fürs Auge macht’s nicht besser. Aus diesem Grund habe ich mich auch in diesem Blog für den Flattersatz entschieden. Vorerst.

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2 Antworten auf “Blocksatz im Internet”

  1. Carolin (Webmaster)
    am 27. August 2008 um 15:51h

    Dem Typolexikon möchte ich doch kurz widersprechen …

    “Ein qualitativ hochwertiger Blocksatz muss grundsätzlich immer händisch nachbearbeitet werden.”

    Das kommt stark darauf an. Setzt man englische Texte in LaTeX, dann muss man oft gar nicht nachbearbeiten. :) (Zur Ehrenretter der Typolexikonschreiber muss man natürlich sagen, dass es im Englischen sowieso leichter ist, Blocksatz zu realisieren, weil man verhältnismäßig wenig trennt.)

  2. sato
    am 27. August 2008 um 16:15h

    Interessant! Ließe sich das auf deutsche Texte übertragen?

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