Großes Eszett
Die Nachricht ist schon ein paar Monate alt, aber vielleicht noch nicht jedem bekannt: Das Alphabet bekommt Zuwachs. Ausgerechnet dem Eszett hat die ISO (Internationale Organisation für Normung) den Rücken gestärkt – jenem Buchstaben, den einige gerne abschaffen würden.
Wenn Sie IN MASSEN ESSEN wollten, dann haben Sie das in einer Überschrift bislang mit Doppel-s verschriftlicht. Beim Lesen wusste man nicht so recht, ob man sich einschränken musste oder richtig zulegen durfte. Immer vorausgesetzt, die technischen Voraussetzungen sind gegeben, können Sie zukünftig in Überschriften durch das scharfe s Klarheit schaffen. Ob das ästhetisch ein Gewinn ist, steht auf einem anderen Blatt (schöner als in meinem Beispiel sieht’s bestimmt aus, ich bin kein Bildbearbeitungsprofi):
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Die einschlägige Rechtschreibregel ändert sich nicht – nach deutscher Rechtschreibung wird also weiterhin in Überschriften ß durch ss ersetzt. Niemand muss den Großbuchstaben ß verwenden.
Etwas kurios ist es schon, dass der Buchstabe einerseits von der ISO als Norm vorgegeben wird, andererseits nicht durch Rechtschreibregeln gedeckt ist. Aber wir haben uns an viel Kurioses gewöhnt, und letztlich werden die Anwender entscheiden, ob sie das große ß ins Herz schließen oder alles beim Alten bleibt. Diese Lizenz zur Freiheit stellt ihnen auch Kerstin Güthert, die Pressesprecherin des Rates für deutsche Rechtschreibung, aus.
Nach- und weiterlesen bei Heise und welt.de
http://www.heise.de/newsticker...ale-Norm–/meldung/109945
http://www.welt.de/kultur/arti...ukunft_fuer_das_grosse_ss.html
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Fragliches Zeichen
Dass Kommas Probleme machen, sind wir ja gewöhnt, aber ein harmloses Fragezeichen? Doch, die können das auch – zum Beispiel im folgenden indirekten Fragesatz:
James wollte wissen, ob alle Sicherheitsvorkehrungen getroffen waren?
In der Standard-Lesart ist das falsch. Diese Art Fehler schwingt sich durch die Textlandschaft und wird beileibe nicht nur von rechtschreibschwachen Anwendern gemacht, im Gegenteil. Dafür gibt es Gründe, nämlich einige ähnlich gelagerte Konstruktionen, die mit Fragezeichen abgeschlossen werden, und natürlich auch Grauzonen.
Der Knackpunkt
Bleiben wir zunächst bei James. Was ist hier überhaupt schiefgelaufen? Mit welchem Satzzeichen ein Satz schließt, entscheidet nicht der untergeordnete, sondern der übergeordnete Satz: James wollte etwas wissen. Diese Aussage erfordert kein Fragezeichen, sondern einen Punkt. Wir erfahren dann im untergeordneten Satz, was James wissen wollte, der Satz berichtet also darüber, er fragt nicht danach.
Aber Vorsicht, sobald der betreffende Satz allein steht, sieht die Sache schon wieder anders aus: Ob sie vielleicht kurz Zeit für mich hat? Oder nehmen wir: Tanja hatte die Nase voll und ist deswegen gegangen? Vielleicht will der Sprecher sich hier vergewissern, ob der Sachverhalt wirklich zutrifft, vielleicht drückt er sein Erstaunen darüber aus, dass Tanja seines Erachtens wegen einer Lappalie verschwunden ist. Wie auch immer, achten Sie beim Sprechen auf die jeweilige Betonung, wenn Sie einen Punkt oder ein Fragezeichen hinter die Sätze stellen.
Und dann hätten wir da noch etwas aus der Grauzone:
Ich hoffe, dir geht’s gut?
Besonders aus dem informellen Schriftverkehr sind solche Sätze nicht mehr wegzudenken, auch wenn sie standardsprachlich nicht erste Wahl sind. Und m. E. gar nicht so falsch, weil hier der Nebensatz nicht Bestandteil einer Erzählung ist, sondern die Fragestellung direkt zum Adressaten transportiert.
Betonung reloaded
Wollen Sie es noch mal mit der Betonung versuchen? Schauen wir uns das nun gemeinsam an:
Ich hoffe, dir geht’s gut.
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Ich hoffe, dir geht’s gut?
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Jetzt wissen Sie auch, wie Sie den “007″-Fehler vermeiden können:
James wollte wissen, ob alle Sicherheitsvorkehrungen getroffen waren.
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Hier haben wir einen Bericht, eine Erzählung bzw. eine schlichte Aussage.
James wollte wissen, ob alle Sicherheitsvorkehrungen getroffen waren?
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Der gesamte Inhalt wird erfragt, zum Beispiel im Sinne von: “Was, das wollte er wirklich wissen? Dabei ist doch alles so perfekt abgesichert, er scheint ja kein Vertrauen in uns zu haben.”
Vielleicht haben Sie ja jetzt ein Quantum Sicherheit hinzugewonnen.
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freistellen
Wenn Adjektiv und Verb gesteigert werden, schreibt man getrennt. Übertragen gebrauchte Zusammensetzungen heben diese Regel aus, ein schönes Beispiel hierzu ist freigestellt.
Man vergleiche:
Das ist Ihnen völlig freigestellt.
Das ist Ihnen völlig frei gestellt.
Letzteres tut beim Lesen genauso weh wie beim Schreiben, weil völlig sich nicht allein auf das Adjektiv frei bezieht sondern auf den gesamten Begriff freigestellt.
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Ganz leicht
Stellen Sie sich vor, Sie schreiben, jemand könne einen Fehler leicht machen. Gemeint ist: Es passiert schnell, dass der Fehler gemacht wird, es passiert eben leicht.
Das ist nicht dasselbe, als wenn Sie jemandem etwas leichtmachen - beispielsweise, etwas zu lernen. Schreibt man in diesem Fall getrennt, geht die Unterscheidung flöten.
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Infinitiv im Rampenlicht
Wann der Infinitiv das Komma zu einem Tänzchen einlädt, ist ja immer wieder eine spannende Frage. Besonders dann, wenn der Infinitiv sich auf die Bühne stellt und als Subjekt des Satzes auftritt.
Infinitiv als Subjekt
Zu arbeiten war ihr immer wieder eine Freude.
Bei diesem einfachen Infinitiv darf das Komma ohnehin noch sitzen bleiben. Die Zweifel kommen wie so oft beim erweiterten Infinitiv auf:
Mit diesem großartigen Redaktionssystem zu arbeiten war ihr immer wieder eine Freude.
Oder:
Mit diesem großartigen Redaktionssystem zu arbeiten, war ihr immer wieder eine Freude.
Das Komma beim sogenannten Subjektsinfinitiv ist jetzt erlaubt. Vor 1996 galt unabhängig vom Faktor “erweitert – nicht erweitert” striktes Kommaverbot; nach meiner Lese- und Korrekturerfahrung wurde dieses Verbot zu Recht mit schöner Regelmäßigkeit missachtet. Auch beim Redaktionssystem-Satz juckt es einen in den Fingern, die Kommataste zu drücken. Erst recht, wenn er noch “weiter” wird:
Mit diesem großartigen Redaktionssystem in einem Team begeisterter Autoren zu arbeiten, war ihr immer wieder eine Freude.
Zum Vergleich (absichtlich nicht markiert):
Mit diesem großartigen neu installierten Redaktionssystem in einem Team begeisterter Autoren zu arbeiten war ihr immer wieder eine Freude.
Lesespaß geht anders. Dass man den Satz ohnehin schöner gestalten kann, stimmt auch, Beispielsätze haben das manchmal an sich.
Infinitiv als Objekt
Mit diesem neuen Redaktionssystem umgehen zu müssen, wollte sie unbedingt vermeiden.
Haben wir hier eine Wahl? Nein, das Komma war und ist Pflicht. Das gilt freilich auch für den einfachen Infinitiv: Zu arbeiten, wollte sie unbedingt vermeiden. Aus gutem Grund, ohne Komma wird’s hier ein ganzes Stück unverständlicher und missverständlicher.
Fazit: Ist der Infinitiv ein Subjekt, können Sie das Komma nach Notwendigkeit bzw. Gefühl setzen. Ist er ein Objekt, setzen Sie es immer.
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Digitale Wörterbücher
Da sich die Printausgaben der beiden Verlage Duden und Wahrig (Bertelsmann) inzwischen eher fürs Muskeltraining als zum Nachschlagen eignen, darf man ruhig mal nach Alternativen fragen.
Die müssen nicht unbedingt im Gang zur Konkurrenz liegen. In den letzten Jahren habe ich die Digitalausgaben der Wörterbücher für mich entdeckt. Duden bringt regelmäßig eine Version seines Bandes 1 heraus, die das gesamte Werk nicht nur gedruckt, sondern zusätzlich auf CD-ROM beinhaltet.
Das ist etwas teurer, lohnt sich aber, ich benutze die Printausgabe seit Jahren nicht mehr und möchte die Zeitersparnis nicht missen. Vom Nervfaktor beim Blättern und Suchen ganz zu schweigen. Wer das “dicke Ding” nicht braucht, kann sich die Duden-CD-ROM auch separat ins Haus holen.
Bitte nicht verwechseln: Duden hat im August 2008 eine Doppelausgabe mit Band 1 und und der CD-ROM “Duden Korrektor” herausgebracht. Der Korrektor hat nichts der Digitalversion des Wörterbuchs gemein, sondern ist ein Werkzeug, mit dem Sie Ihre Texte nach Rechtschreibfehlern durchpflügen können.
Kollege Bertelsmann bietet ebenfalls zusätzlich zum Wahrig 1 ein kombiniertes Paket und bringt die Wahrig-CD-ROM auch einzeln an den Anwender.
Die Buch-CD-Kombinationen beider Verlage sind derzeit nur bei Anbietern wie Amazon zu finden, nicht über die Verlagsseiten. Man korrigiere mich bitte, wenn’s ein Suchfehler war.
[Edit] Bei zumindest einem Suchfehler hat mir Herr Schulz-Tauberschmidt auf den Weg geholfen: Hier geht’s zum Kombipaket Duden-Print/-Digital. Herzlichen Dank für den Tipp!
[Edit 19.07.09] Duden-Links sind aktualisiert.
