Aber bitte mit Komma (Teil 2)

Im ersten Teil dieses Artikels ging es um das Komma vor aber, jedoch, sondern in Sätzen wie Klein, aber fein.

Einschub oder kein Einschub?

„Jetzt ist alles klar“, reiben Sie sich die Hände, und plötzlich türmt sich der folgende Satz vor Ihnen auf:

Ängstlich, aber doch voller Hoffnung, schritten sie auf ihr Ziel zu.

Hier stellt sich die Frage: Ist das zweite Komma – nach Hoffnung – korrekt?


Ich kann Ihnen eines vorab verraten: Dieser Punkt ist nicht explizit in der amtlichen Regelung geklärt. Und selbst die Auskenner zerbrechen sich darüber den Kopf. Beruhigen kann ich Sie aber auch: Vermutlich haben Sie bislang nicht so viel falsch gemacht, weil die Möglichkeiten umfangreicher sind, als man vermuten mag.

Der Duden-Band „Punkt, Komma und alle anderen Satzzeichen“ (5. Aufl., 2007) vertritt die Meinung, hier dürfe kein zweites Komma stehen. Ich stimme dem zu, der Satz wird nach Hoffnung einfach fortgesetzt; es handelt sich im Regelfall nicht um einen Einschub.

Ausnahmen von der Regel

Wie gesagt, im Regelfall. Denn es gibt Fälle, wo sich aber doch voller Hoffnung durchaus als Einschub verstehen lässt. Deshalb hat der Duden-Band ein Türchen offengelassen: „Manchmal kann man ein zweites Komma setzen, um die Entgegensetzung als weniger wichtigen Zusatz zu kennzeichnen.“ (Seite 106)

Das „weniger wichtig“ möchte ich relativieren. Durch das zweite Komma kann der der betreffende Textteil auch besonders hevorgehoben werden, dann ist er nicht weniger wichtig, im Gegenteil. In einer der älteren Auflagen des genannten Bändchens findet sich dazu ein schönes Beispiel (ebenfalls Seite 106):

Meine Schwester, jedoch nicht ihren Verlobten[,] hatten sie eingeladen.

Dies lässt sich auf zweierlei Weise lesen. Die erste Lesart entspricht der Duden-Bewertung, dass es sich um einen weniger wichtigen Zusatz handelt. Ein Beispiel dazu: ‘Meine Schwester hatten sie eingeladen. Ihren Verlobten übrigens nicht.’

Die zweite Lesart hebt den Umstand, dass der Verlobte nicht eingeladen wurde, als besonders nennenswert hervor. Beispiel: ‘Meine Schwester hatten sie eingeladen. Aber nicht ihren Verlobten, stell dir das mal vor, sie musste alleine dorthin gehen, und Peter war ganz schön sauer.’

Ich finde übrigens, dass das Komma bei aber weglassbarer ist als bei jedoch. In obigem Satz würde es mir schon schwerfallen, das Komma auf Urlaub zu schicken (Meine Schwester, jedoch nicht ihren Verlobten hatten sie eingeladen.)

Für die besprochenen Fälle können wir also festhalten:

  • Regulär nur ein Komma
  • In Ausnahmefällen als Einschub wertbar und dann mit zwei Kommas

Achtung: Der Bezug entscheidet mit

Geht’s noch ein bisschen spezieller? Aber ja:

Ihr Verlobter wurde von den Schulzes, aber auch von den Müllers nicht eingeladen.

Was ist in diesem Beispiel anders als in den vorigen? Man sieht es nicht auf den ersten Blick: aber bezieht sich hier nicht auf von den Müllers, sondern auf auch, es verstärkt dieses auch quasi. Mit geringem Bedeutungsverlust könnte man umformulieren:

Ihr Verlobter wurde von den Schulzes und [auch] von den Müllers nicht eingeladen.

Oder lassen Sie auch einfach weg – ergibt der Satz dann die gleiche Bedeutung? Nein:

Der Verlobte wurde von den Schulzes, aber von den Müllers nicht eingeladen.

In solchen Fällen ist die Duden-Redaktion der Meinung, hier dürfe kein Komma gesetzt werden. (Siehe weiterführende Links unten.) Der schon erwähnte Duden-Band widerspricht mit einem Beispiel, das sehr ähnlich aussieht:

Die meisten Eltern, aber auch einige Lehrer[,] waren dafür.

Hier kommt man nun wirklich ins Grübeln. Entspricht dieses Beispiel dem vorigen? Beide Tests sagen ja: Vergleichen Sie mit dem vorigen Beispiel, so kommt erwartungsgemäß heraus, dass die Ersetzung mit und funktioniert; das Weglassen von auch geht wieder schief:

Die meisten Eltern und [auch] einige Lehrer waren dafür.

Die meisten Eltern, aber einige Lehrer waren dafür.

Passt also. Und trotzdem ist es meines Erachtens bei diesem Satz eher denkbar, ein zweites Komma zu setzen, als bei unserem Beispiel mit dem Verlobten. Letztlich werden sich aber immer Kontexte finden lassen, die auch eine Interpretation als Einschub und damit ein Komma ermöglichen.

Schwierig? Ja, schon. In diesem Bereich muss man sich gegebenenfalls den Einzelfall genau ansehen, und oft macht man es ja auch intuitiv richtig.

Nach- und weiterlesen

Berger, Dieter: Komma, Punkt und alle anderen Satzzeichen. 2., neu bearbeitete und erweiterte Auflage. Mannheim 1982 (älterer Duden-Band)

Stang, Christian; Steinhauer, Anja: Komma, Punkt und alle anderen Satzzeichen. 5., neu bearbeitete Auflage. Mannheim 2007 (Neuauflage des Duden-Bands)

Auf dem Blog Neue deutsche Rechtschreibung habe ich über dieses Thema mitdiskutiert:
http://www.neue-rechtschreibung.net/2010/01/11/knifflige-kommas/ (siehe Kommentare)

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