Deppenleerzeichen
Was ist an einer Gemüse Pizza auszusetzen? Zum einen, dass auf eine ordentliche Pizza kein gesundes Zeugs gehört.
Zum anderen, dass etwas, das zusammengehört, im Deutschen auch zusammengeschrieben wird – oder mit Bindestrich.
Mit Deppen Leerzeichen wird folglich die schicke Schreibweise von Begriffen bezeichnet, die eigentlich mit Bindestrich getrennt werden müssten. Korrekt heißt es natürlich entweder Deppen-Leerzeichen oder Deppenleerzeichen. (Das Deppenleerzeichen ist übrigens der große Bruder des Deppenapostrophs; über den könnten wir uns auch mal unterhalten.)
Beispiele dazu findet man täglich im Leben, und mancherorts werden sie bereits gesammelt, weil sie nicht nur die Kinnlade zu Fall bringen, sondern auch Spaß machen. Zum Stöbern lädt zum Beispiel www.typografie.info ein. Während man über die behinderten Toiletten noch einhellig lachen kann, beginnt beim Service Point schon die Diskussion: Was ist daran deppert? Es gibt nämlich durchaus Grauzonen, wo selten jemand meckert – sie betreffen:
1. Begriffe, die als Ganzes direkt aus dem Englischen stammen. Neben dem genannten Service Point gäbe es da zum Beispiel das Call Center. Solchen englischen Importen erlässt man den Bindestrich häufig. Bei Service, einem bereits heimisch gewordenen Wort, ist das natürlich Ermessenssache, bei First-Class-Service würden mir die Bindestriche schon wieder fehlen; das liegt auch daran, dass man drei Zusammensetzungsbestandteile so noch besser als zusammengehörig erkennt. Und Vorsicht: In dem Augenblick, wo nur ein einheimisches Wort hinzukommt, ist verbindlich Schluss mit leer: Service-Schalter.
2. Firmennamen, Stiftungen etc. und die Werbung. Es hat sich in einigen Unternehmen eingespielt, dass Firmenname + Begriff grundsätzlich ohne Bindestrich geschrieben werden. Das kann man bewerten, wie man will, auf jeden Fall ist so etwas Vereinbarungssache, weil Firmenschreibungen und Werbesprache größere Freiheiten genießen. Hier von “falsch” zu reden wäre also nicht korrekt. Da diese Schreibungen oft bekannt und vertraut sind, werfen sie weniger Verständnisprobleme auf. Doch wirklich problemlos sind sie auch nicht.
Deshalb bietet Sato Rechtschreiblösungen seit 2008 Seminare an.
Was bietet Sato an? Rechtschreiblösungen? Ach so, nein, die Firma (lassen Sie mich ein wenig träumen) heißt Sato Rechtschreiblösungen und bietet Seminare an. Die lange Erkenntnis- und Erklärungsschleife hätte man sich bzw. den Lesern mit einem kleinen Strichchen ersparen können:
Deshalb bietet Sato-Rechtschreiblösungen seit 2008 Seminare an.
Sieht das wirklich uncooler aus? Ich finde nicht.
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Kopplungstechnik
Über den folgenden interessanten Fall hatten wir im Seminar geknobelt. Natürlich sind Name und Situation hier abgeändert.
Nehmen wir an, eine Firma heißt Franke & Müller. Sie sitzen an dem Webauftritt des Unternehmens, das Filialen in ganz Deutschland hat; nun schreiben Sie den Beitrag zum Hauptsitz in Berlin. Wie lassen sich Firmenname und Hauptsitz am besten koppeln? Natürlich könnten Sie auf andere Schreibweisen ausweichen, aber das will die Firma in unserem Beispiel nicht.
Die Möglichkeiten, die wir durchgespielt hatten, waren:
Franke & Müller-Hauptsitz
Nicht gekoppelt, also falsch und zudem leserunfreundlich.
Franke-&-Müller-Hauptsitz
Perfekt verbunden und doch nicht schön.
Franke-und-Müller-Hauptsitz
Das funktioniert nicht, weil die exakte Schreibung eines Firmennamens in der Regel festgelegt ist.
Mein Vorschlag ist, das Prinzip der Lesbarkeit zu erhalten und gleichzeitig die Bindestriche innerhalb des Namens wegzulassen:
„Franke & Müller”-Hauptsitz
Kursiv statt Anführungszeichen geht im Prinzip, ist aber optisch zweite Wahl und natürlich ebenfalls gegen die Regel, den Namen nicht anzutasten; in diesem Fall also keine Option.
Die als Lösung gewählten Anführungszeichen machen den Bindestrich strenggenommen zwar nicht überflüssig. Allerdings fassen sie den Begriff bzw. Namen bereits zu einer Einheit zusammen und kennzeichnen ihn als solche. Und das ist ja Sinn der Sache.
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