Rechtsfrage

Schreiben Sie Recht haben oder recht haben? Mir schlägt schon mal Verwunderung entgegen, weil ich mich über die optionale Wiedereinführung des kleinen Rechts 2006 gefreut habe.

Eine Frage an die Groß-Liebhaber: Wie schreiben Sie dann völlig Recht/recht haben? Auch groß?

Wieso das einen Unterschied macht? Vergleichen Sie bitte Du hast überaus Recht mit Du hast überaus Bauch bzw. mit Du hast total Verantwortung.

Die letzten beiden Beispiele vermitteln kein wirklich gutes Bauchgefühl, oder? Schauen wir mal, was Wikipedia über Gradpartikeln – auch Intensitätspartikeln genannt – weiß: “Intensitätspartikeln markieren die Ausprägung adjektivischer Eigenschaften: sehr, recht, überaus.”

Wir kommen der Sache näher. Ich vermute, außer in umgangssprachlichen Wendungen wie total Banane oder Das macht ziemlich Sinn werden wir kaum auf korrekte Konstruktionen stoßen, wo eine Gradpartikel ein Substantiv modifiziert. Und wenn das so ist, dann dürfte es auch für recht haben/geben/behalten etc. gelten.

Schreiben Sie’s immer noch groß? Pffft! :mrgreen:

“dass” oder “das”?

Seit 1996 liest man weitaus häufiger Sätze wie Ich konnte mit dem Buch, dass mir empfohlen wurde, nichts anfangen. Meist ist es ein Tipp- bzw. Flüchtigkeitsfehler, das zweite s rutscht schnell mit raus.

Im Zuge der neuen ss/ß-Regelung ist aber auch Unsicherheit aufgekommen: Werden dass und das jetzt ebenfalls anders geschrieben? Nein, hier hat sich nichts geändert. Für alle, die dieses Pärchen noch nie so ganz auseinanderhalten konnten, gibt es einen Kniff.

Mit s (bestimmter Artikel bzw. Pronomen)

das Gemälde

ein Gerücht, das nicht mehr aufzuhalten war

Der (bestimmte) Artikel das ist durch den unbestimmten Artikel ein ersetzbar: ein Gemälde

Das Relativpronomen das lässt sich durch welches ersetzen: ein Gerücht, welches nicht mehr aufzuhalten war

Mit Doppel-s (Konjunktion)

Ich hatte gehofft, dass der neue Duden endlich wieder schmaler wird.

Zum Vergleich und als Gegenprobe: Ich hatte gehofft, welches der neue Duden endlich wieder schmaler wird. darf man auf gut Bayrisch als Schmarrn bezeichnen. dass leitet Nebensätze ein, das bezieht sich auf ein Substantiv (Gemälde, Gerücht).

Ist es empfehlenswert, einfach immer dann nach der alten Schreibung zu gehen, wenn das möglich ist?

Die Antwort lautet: Nicht automatisch, und zwar aus mindestens zwei Gründen.

1. Zweifelsfrei geklärt?

Können Sie in jedem Fall eindeutig unterscheiden, welche Schreibung alt und welche neu ist? Meiner Erfahrung nach reibt sich jeder mal die Augen, weil man die Schreibungen genau andersherum verortet hätte.

Beispiel: zu Stande/zustande. Was ist neu?

Wer hier nach dem Muster von zugrunde bzw. mithilfe auf zu Stande = alt und zustande = neu getippt hat, lag schon falsch. Die Reformer haben 1996 die Schreibung zu Stande eingeführt, um die (eigentlich langsam veraltenden) Groß-/Getrenntschreibungen systematisch durchziehen zu können.

Oder wussten Sie, um ein weiteres Beispiel zu nennen, dass weh tun alt und wehtun neu ist? Erlaubt ist beides.

Wenn Sie sich sicher sind, dass Sie diese Unterscheidungen stets beherrschen, können Sie das Kriterium “Ich bleibe immer beim Bewährten” natürlich anwenden. Ansonsten ist Vorsicht geboten.

2. Nicht alles Neue ist schlecht

Die neuen Regeln und Schreibungen lassen sich nicht alle über einen Kamm scheren. Beispielsweise ist gegen das obengenannte mithilfe oder das ebenfalls neue sodass meines Erachtens nichts einzuwenden.

Wir können als Fazit festhalten: Die beste Strategie ist, nach der Qualität, nicht nach dem Geburtsdatum einer Schreibweise zu gehen.

 



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