Aber bitte mit Komma (Teil 2)
Im ersten Teil dieses Artikels ging es um das Komma vor aber, jedoch, sondern in Sätzen wie Klein, aber fein.
Einschub oder kein Einschub?
„Jetzt ist alles klar“, reiben Sie sich die Hände, und plötzlich türmt sich der folgende Satz vor Ihnen auf:
Ängstlich, aber doch voller Hoffnung, schritten sie auf ihr Ziel zu.
Hier stellt sich die Frage: Ist das zweite Komma – nach Hoffnung – korrekt?
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Aber bitte mit Komma (Teil 1)
Es ist beliebt, vor aber, sondern und (je)doch das Komma wegzulassen:
Langsam aber sicher.
Nicht heute sondern morgen.
Vermutlich überlegen sich die Schreiber, dass beispielsweise Teuer und gut, Sowohl langsam als auch sicher ohne Komma geschrieben werden, und setzen diese Konstruktionen mit den obigen gleich.
Indem wir uns im Vergleich ganze Sätze mit und bzw. aber ansehen, gelangen wir zur Fehlerquelle.
Gegenbeispiel:
Im Satz mit aber dürfen Sie das Komma nicht weglassen. Warum?
aber, sondern und jedoch stellen zwei Sätze oder Begriffe einander entgegen und heißen folgerichtig “entgegensetzende” oder “adversative Konjunktionen”. Vielleicht – als Merkhilfe – vergleichbar den Spielern einer Football-Mannschaft: Stünden sie brav nebeneinander, gäbe es kein Spiel. Konstruktionen mit aber und und sind zwei Paar Schuhe.
Vor aber, sondern, jedoch steht immer ein Komma, wenn sie zwei Satzglieder oder Sätze verbinden. Ja, auch dann, wenn nur zwei, drei Wörtchen durch die Konjunktion zusammengefügt werden:
Langsam, aber sicher.
Nicht heute, sondern morgen.
Sie lächeln sicher milde, wenn ich Ihnen erkläre, dass in den folgenden beiden Fällen natürlich kein Komma vor aber steht. Anders als in sämtlichen vorangegangenen Beispielen werden hier nicht Begriffe einander entgegengesetzt.
Da jedoch das Geld fehlte …
Das war doch alles einfach? Bleiben Sie dran.
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Fragliches Zeichen
Dass Kommas Probleme machen, sind wir ja gewöhnt, aber ein harmloses Fragezeichen? Doch, die können das auch – zum Beispiel im folgenden indirekten Fragesatz:
James wollte wissen, ob alle Sicherheitsvorkehrungen getroffen waren?
In der Standard-Lesart ist das falsch. Diese Art Fehler schwingt sich durch die Textlandschaft und wird beileibe nicht nur von rechtschreibschwachen Anwendern gemacht, im Gegenteil. Dafür gibt es Gründe, nämlich einige ähnlich gelagerte Konstruktionen, die mit Fragezeichen abgeschlossen werden, und natürlich auch Grauzonen.
Der Knackpunkt
Bleiben wir zunächst bei James. Was ist hier überhaupt schiefgelaufen? Mit welchem Satzzeichen ein Satz schließt, entscheidet nicht der untergeordnete, sondern der übergeordnete Satz: James wollte etwas wissen. Diese Aussage erfordert kein Fragezeichen, sondern einen Punkt. Wir erfahren dann im untergeordneten Satz, was James wissen wollte, der Satz berichtet also darüber, er fragt nicht danach.
Aber Vorsicht, sobald der betreffende Satz allein steht, sieht die Sache schon wieder anders aus: Ob sie vielleicht kurz Zeit für mich hat? Oder nehmen wir: Tanja hatte die Nase voll und ist deswegen gegangen? Vielleicht will der Sprecher sich hier vergewissern, ob der Sachverhalt wirklich zutrifft, vielleicht drückt er sein Erstaunen darüber aus, dass Tanja seines Erachtens wegen einer Lappalie verschwunden ist. Wie auch immer, achten Sie beim Sprechen auf die jeweilige Betonung, wenn Sie einen Punkt oder ein Fragezeichen hinter die Sätze stellen.
Und dann hätten wir da noch etwas aus der Grauzone:
Ich hoffe, dir geht’s gut?
Besonders aus dem informellen Schriftverkehr sind solche Sätze nicht mehr wegzudenken, auch wenn sie standardsprachlich nicht erste Wahl sind. Und m. E. gar nicht so falsch, weil hier der Nebensatz nicht Bestandteil einer Erzählung ist, sondern die Fragestellung direkt zum Adressaten transportiert.
Betonung reloaded
Wollen Sie es noch mal mit der Betonung versuchen? Schauen wir uns das nun gemeinsam an:
Ich hoffe, dir geht’s gut.
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Ich hoffe, dir geht’s gut?
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Jetzt wissen Sie auch, wie Sie den “007″-Fehler vermeiden können:
James wollte wissen, ob alle Sicherheitsvorkehrungen getroffen waren.
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Hier haben wir einen Bericht, eine Erzählung bzw. eine schlichte Aussage.
James wollte wissen, ob alle Sicherheitsvorkehrungen getroffen waren?
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Der gesamte Inhalt wird erfragt, zum Beispiel im Sinne von: “Was, das wollte er wirklich wissen? Dabei ist doch alles so perfekt abgesichert, er scheint ja kein Vertrauen in uns zu haben.”
Vielleicht haben Sie ja jetzt ein Quantum Sicherheit hinzugewonnen.
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Infinitiv im Rampenlicht
Wann der Infinitiv das Komma zu einem Tänzchen einlädt, ist ja immer wieder eine spannende Frage. Besonders dann, wenn der Infinitiv sich auf die Bühne stellt und als Subjekt des Satzes auftritt.
Infinitiv als Subjekt
Zu arbeiten war ihr immer wieder eine Freude.
Bei diesem einfachen Infinitiv darf das Komma ohnehin noch sitzen bleiben. Die Zweifel kommen wie so oft beim erweiterten Infinitiv auf:
Mit diesem großartigen Redaktionssystem zu arbeiten war ihr immer wieder eine Freude.
Oder:
Mit diesem großartigen Redaktionssystem zu arbeiten, war ihr immer wieder eine Freude.
Das Komma beim sogenannten Subjektsinfinitiv ist jetzt erlaubt. Vor 1996 galt unabhängig vom Faktor “erweitert – nicht erweitert” striktes Kommaverbot; nach meiner Lese- und Korrekturerfahrung wurde dieses Verbot zu Recht mit schöner Regelmäßigkeit missachtet. Auch beim Redaktionssystem-Satz juckt es einen in den Fingern, die Kommataste zu drücken. Erst recht, wenn er noch “weiter” wird:
Mit diesem großartigen Redaktionssystem in einem Team begeisterter Autoren zu arbeiten, war ihr immer wieder eine Freude.
Zum Vergleich (absichtlich nicht markiert):
Mit diesem großartigen neu installierten Redaktionssystem in einem Team begeisterter Autoren zu arbeiten war ihr immer wieder eine Freude.
Lesespaß geht anders. Dass man den Satz ohnehin schöner gestalten kann, stimmt auch, Beispielsätze haben das manchmal an sich.
Infinitiv als Objekt
Mit diesem neuen Redaktionssystem umgehen zu müssen, wollte sie unbedingt vermeiden.
Haben wir hier eine Wahl? Nein, das Komma war und ist Pflicht. Das gilt freilich auch für den einfachen Infinitiv: Zu arbeiten, wollte sie unbedingt vermeiden. Aus gutem Grund, ohne Komma wird’s hier ein ganzes Stück unverständlicher und missverständlicher.
Fazit: Ist der Infinitiv ein Subjekt, können Sie das Komma nach Notwendigkeit bzw. Gefühl setzen. Ist er ein Objekt, setzen Sie es immer.
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