Aber bitte mit Komma (Teil 2)
Im ersten Teil dieses Artikels ging es um das Komma vor aber, jedoch, sondern in Sätzen wie Klein, aber fein.
Einschub oder kein Einschub?
„Jetzt ist alles klar“, reiben Sie sich die Hände, und plötzlich türmt sich der folgende Satz vor Ihnen auf:
Ängstlich, aber doch voller Hoffnung, schritten sie auf ihr Ziel zu.
Hier stellt sich die Frage: Ist das zweite Komma – nach Hoffnung – korrekt?
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Mag Google Rechtschreibung?
Über die Rechtschreibung im Internet gibt es geteilte Meinungen. Die einen halten das WWW für eine Art Hort des organisierten Analphabetentums; die anderen denken, solange man Texte irgendwie verstünde, wäre jeder Gedanke an korrekte Schreibung überflüssig.
Gerade für diejenigen, die sich damit befassen, ihre Seiten googlefreundlich zu gestalten, könnte das Thema Rechtschreibung relevanter sein, als sie bislang ahnten. Martin Mißfeldt hat sich in seinem tagSEOBlog damit auseinandergesetzt. Ausgangspunkt ist Mißfeldts Beobachtung, dass Seiten mit korrekter Rechtschreibung stets auf vorderen Plätzen lägen. Außerdem bietet Google Alternativvorschläge, wenn man sich mal verschrieben hat.
Mißfeldt hat ein interessantes Experiment veranstaltet, das er im verlinkten Artikel ausführlich beschreibt, es sei hier nur kurz zusammengefasst.
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Das macht Sinn
Haben Sie schon mal von den Anglizismusjägern eins auf den Deckel bekommen, weil Sie der Meinung waren, etwas mache Sinn? Wenn Ihnen das (wieder) passiert, dürfen Sie gern mit einem der bekanntesten deutschen Sprachwissenschaftler im Rücken kontern: Nach derzeitigem Wissensstand handelt es sich bei Sinn machen um keinen Anglizismus, zumindest kann dies nicht belegt werden. Ich wette mal, ähnlich wie im Fall von etwas erinnern wird noch ein Beleg dafür gefunden, dass es diesen Begriff schon seit langer Zeit im Deutschen gibt.
Der verlinkte Artikel protokolliert einen Vortrag von Peter Eisenberg und ist sehr lesenswert, weil er einige “Gewissheiten” über Sprache und ihre korrekte Verwendung fundiert infrage stellt. Mir geht’s da auch an den Kragen, ich stehe nämlich auf Kriegsfuß mit Wendungen des Typs wie wenn oder wie er das sah, überkam ihn Freude (also im Sinne von ‘in dem Augenblick, als er es sah …’). Auch bei zu was, um was etc. gehe ich auf die Barrikaden.
Ich glaube, beide Wahrheiten sind gültig: Sprache und die Auffassung darüber, was gut klingt, verändern sich. Andererseits muss man nicht über alles frohlocken, was sich da verändert.
Überdies ist es oft auch eine sehr persönliche Sache: Für meine Großmutter, die mich in ihrer Liebe zur Sprache geprägt hat, waren solche Wendungen Fehler ohne Wenn und Aber. Und dann passierte es mir selbst: Eines Tages durfte ich darüber staunen, dass es nicht ich habe das hier zu liegen, sondern ich habe das hier liegen heißt. Mit zu liegen haben bin ich aufgewachsen. Der grüne Duden gab Auskunft, dass zu in diesem Fall standardsprachlich nicht korrekt sei, es aber im Berlinerischen gebräulich wäre. Alles klar, dort liegen meine Wurzeln.
Ich werde es nicht verhindern können, dass wie wenn sich immer mehr durchsetzt. Doch mein Einspruch bei anders wie ihr Mann bleibt bestehen, weil das nicht nur meinen Augen und Ohren wehtut, sondern zudem inhaltlich überhaupt keinen Sinn macht.
Weiter- und nachlesen
Im Text zitiertes Protokoll einer Vorlesung von Peter Eisenberg mit dem Titel “Korrektes Deutsch!” vom 12. Dezember 2007 auf mediensprache.net
Duden Band 9, Richtiges und gutes Deutsch, 6. Auflage. Dudenverlag 2007, S. 1039, oder Stichwort “zu”
[Edit vom 17.02.2010] Artikel “Sinn haben, machen und behalten” auf dem Textguerilla-Blog
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Blog-Artikel
Die Ansichten darüber, ob es das Blog oder der Blog heißt, gehen auseinander. Lange Gesichter bei allen, die auf eine Variante gewettet hatten: Falsch sind sie beide nicht; man kann sich nur überlegen, was vielleicht besser wäre. Der Duden führt das Blog als Standardvariante – ich finde, da trifft er ins Schwarze.
Das ist eine gute Gelegenheit, sich mal umzusehen, wie das Geschlecht (Genus) von Fremdwörtern ermittelt werden kann. Blog als Verkürzung von Weblog lässt sich durchaus in diesem Zusammenhang besprechen.
Es gibt dazu keine festen Regeln, aber zwei Kriterien, nach denen das Geschlecht von Fremdwörtern üblicherweise gebildet wird.
Einige Endungen lassen sich einem bestimmten Genus zuordnen. Wörter mit der Endung -ion sind weiblich: die Situation, die Qualifikation, die Manipulation, die Flexion. Bei -ing dürfen Sie das Neutrum auspacken: das Handling, das Franchising.
Für unser Weblog/Blog ist die erste Herleitung nicht relevant, wohl aber die zweite: Hier steht nämlich die deutsche Übersetzung oder ein “sinnverwandtes” deutsches Wort Pate. Wie man das Weblog am sinnvollsten übersetzt bzw. überträgt, ist etwas umstritten – die einen tendieren mehr zum Logbuch, die anderen zum Tagebuch. Gemeinsam ist den Begriffen, dass sie sächlichen Geschlechts sind. Ob Sie nun der Logbuch oder der Tagebuch sagen, schief ist es in jedem Fall.
Eine sinnvolle Herleitung für der Blog kenne ich nicht, vermutlich eine reine Konvention. Gibt’s Vorschläge dazu?
Nachlesen
Duden Band 9, Richtiges und gutes Deutsch, 6. Auflage. Dudenverlag 2007, S. 328, oder Stichwort “Fremdwort, 2. Genus”
Weiterlesen und schmunzeln
Eine persönliche, hintergründige Sicht dazu liefert “Dem Arzt ihm sein Blog”. [Edit vom 27.01.2010]
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Rechtsfrage
Schreiben Sie Recht haben oder recht haben? Mir schlägt schon mal Verwunderung entgegen, weil ich mich über die optionale Wiedereinführung des kleinen Rechts 2006 gefreut habe.
Eine Frage an die Groß-Liebhaber: Wie schreiben Sie dann völlig Recht/recht haben? Auch groß?
Wieso das einen Unterschied macht? Vergleichen Sie bitte Du hast überaus Recht mit Du hast überaus Bauch bzw. mit Du hast total Verantwortung.
Die letzten beiden Beispiele vermitteln kein wirklich gutes Bauchgefühl, oder? Schauen wir mal, was Wikipedia über Gradpartikeln – auch Intensitätspartikeln genannt – weiß: “Intensitätspartikeln markieren die Ausprägung adjektivischer Eigenschaften: sehr, recht, überaus.”
Wir kommen der Sache näher. Ich vermute, außer in umgangssprachlichen Wendungen wie total Banane oder Das macht ziemlich Sinn werden wir kaum auf korrekte Konstruktionen stoßen, wo eine Gradpartikel ein Substantiv modifiziert. Und wenn das so ist, dann dürfte es auch für recht haben/geben/behalten etc. gelten.
Schreiben Sie’s immer noch groß? Pffft!
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Fragliches Zeichen
Dass Kommas Probleme machen, sind wir ja gewöhnt, aber ein harmloses Fragezeichen? Doch, die können das auch – zum Beispiel im folgenden indirekten Fragesatz:
James wollte wissen, ob alle Sicherheitsvorkehrungen getroffen waren?
In der Standard-Lesart ist das falsch. Diese Art Fehler schwingt sich durch die Textlandschaft und wird beileibe nicht nur von rechtschreibschwachen Anwendern gemacht, im Gegenteil. Dafür gibt es Gründe, nämlich einige ähnlich gelagerte Konstruktionen, die mit Fragezeichen abgeschlossen werden, und natürlich auch Grauzonen.
Der Knackpunkt
Bleiben wir zunächst bei James. Was ist hier überhaupt schiefgelaufen? Mit welchem Satzzeichen ein Satz schließt, entscheidet nicht der untergeordnete, sondern der übergeordnete Satz: James wollte etwas wissen. Diese Aussage erfordert kein Fragezeichen, sondern einen Punkt. Wir erfahren dann im untergeordneten Satz, was James wissen wollte, der Satz berichtet also darüber, er fragt nicht danach.
Aber Vorsicht, sobald der betreffende Satz allein steht, sieht die Sache schon wieder anders aus: Ob sie vielleicht kurz Zeit für mich hat? Oder nehmen wir: Tanja hatte die Nase voll und ist deswegen gegangen? Vielleicht will der Sprecher sich hier vergewissern, ob der Sachverhalt wirklich zutrifft, vielleicht drückt er sein Erstaunen darüber aus, dass Tanja seines Erachtens wegen einer Lappalie verschwunden ist. Wie auch immer, achten Sie beim Sprechen auf die jeweilige Betonung, wenn Sie einen Punkt oder ein Fragezeichen hinter die Sätze stellen.
Und dann hätten wir da noch etwas aus der Grauzone:
Ich hoffe, dir geht’s gut?
Besonders aus dem informellen Schriftverkehr sind solche Sätze nicht mehr wegzudenken, auch wenn sie standardsprachlich nicht erste Wahl sind. Und m. E. gar nicht so falsch, weil hier der Nebensatz nicht Bestandteil einer Erzählung ist, sondern die Fragestellung direkt zum Adressaten transportiert.
Betonung reloaded
Wollen Sie es noch mal mit der Betonung versuchen? Schauen wir uns das nun gemeinsam an:
Ich hoffe, dir geht’s gut.
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Ich hoffe, dir geht’s gut?
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Jetzt wissen Sie auch, wie Sie den “007″-Fehler vermeiden können:
James wollte wissen, ob alle Sicherheitsvorkehrungen getroffen waren.
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Hier haben wir einen Bericht, eine Erzählung bzw. eine schlichte Aussage.
James wollte wissen, ob alle Sicherheitsvorkehrungen getroffen waren?
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Der gesamte Inhalt wird erfragt, zum Beispiel im Sinne von: “Was, das wollte er wirklich wissen? Dabei ist doch alles so perfekt abgesichert, er scheint ja kein Vertrauen in uns zu haben.”
Vielleicht haben Sie ja jetzt ein Quantum Sicherheit hinzugewonnen.
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Infinitiv im Rampenlicht
Wann der Infinitiv das Komma zu einem Tänzchen einlädt, ist ja immer wieder eine spannende Frage. Besonders dann, wenn der Infinitiv sich auf die Bühne stellt und als Subjekt des Satzes auftritt.
Infinitiv als Subjekt
Zu arbeiten war ihr immer wieder eine Freude.
Bei diesem einfachen Infinitiv darf das Komma ohnehin noch sitzen bleiben. Die Zweifel kommen wie so oft beim erweiterten Infinitiv auf:
Mit diesem großartigen Redaktionssystem zu arbeiten war ihr immer wieder eine Freude.
Oder:
Mit diesem großartigen Redaktionssystem zu arbeiten, war ihr immer wieder eine Freude.
Das Komma beim sogenannten Subjektsinfinitiv ist jetzt erlaubt. Vor 1996 galt unabhängig vom Faktor “erweitert – nicht erweitert” striktes Kommaverbot; nach meiner Lese- und Korrekturerfahrung wurde dieses Verbot zu Recht mit schöner Regelmäßigkeit missachtet. Auch beim Redaktionssystem-Satz juckt es einen in den Fingern, die Kommataste zu drücken. Erst recht, wenn er noch “weiter” wird:
Mit diesem großartigen Redaktionssystem in einem Team begeisterter Autoren zu arbeiten, war ihr immer wieder eine Freude.
Zum Vergleich (absichtlich nicht markiert):
Mit diesem großartigen neu installierten Redaktionssystem in einem Team begeisterter Autoren zu arbeiten war ihr immer wieder eine Freude.
Lesespaß geht anders. Dass man den Satz ohnehin schöner gestalten kann, stimmt auch, Beispielsätze haben das manchmal an sich.
Infinitiv als Objekt
Mit diesem neuen Redaktionssystem umgehen zu müssen, wollte sie unbedingt vermeiden.
Haben wir hier eine Wahl? Nein, das Komma war und ist Pflicht. Das gilt freilich auch für den einfachen Infinitiv: Zu arbeiten, wollte sie unbedingt vermeiden. Aus gutem Grund, ohne Komma wird’s hier ein ganzes Stück unverständlicher und missverständlicher.
Fazit: Ist der Infinitiv ein Subjekt, können Sie das Komma nach Notwendigkeit bzw. Gefühl setzen. Ist er ein Objekt, setzen Sie es immer.
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Blocksatz im Internet
Den Blocksatz habe ich in jungen Jahren mit Messer zwischen den Zähnen verteidigt, was anderes kam mir nicht aufs Blatt. Linksbündige Texte empfand ich als unästhetisch, und sie strahlten so etwas Unfertiges aus; als ob sie darauf warteten, noch den letzten Feinschliff zu erhalten.
Eines Tages kam der Trend zum Linksbündigen auf; selbstverständlich habe ich mich dem zunächst verweigert. Inzwischen bin ich umgefallen. Warum, was spricht eigentlich gegen dieses schöne Gestaltungsmittel? Für alles, was online publiziert wird, ist es bedingt tauglich, da in Internettexten keine Trennungen verwendet werden. Ein Beispiel aus dem vorigen Artikel demonstriert es:

Hier Trennungen einzuarbeiten, erhöht den Aufwand beim Publizieren massiv. Oder mit dem Typolexikon gesprochen: “Ein qualitativ hochwertiger Blocksatz muss grundsätzlich immer händisch nachbearbeitet werden.” Für den professionellen Online-Einsatz eignet sich das nicht. Berücksichtigen Sie auch die Spaltenbreite: Je schmaler der Text, desto Loch.
Noch sind wir bei der Optik, jetzt geht es ans Eingemachte, denn der Blocksatz ist schlechter lesbar. Flattersatz (= alle Bündigen) bietet mit seinen unterschiedlichen Zeilenlängen mehr Abwechslung fürs Leserauge. In Bezug auf die visuelle Verarbeitung ist der Blocksatz also schlicht eintöniger.
Vielleicht ist das individuell verschieden, zumindest war es mir in Büchern noch nie negativ aufgefallen. Allerdings glaube ich, dass bei Internettexten etwas dran ist. Lesen am Monitor strengt im Vergleich zu Druck-Erzeugnissen ohnehin mehr an, und die Kombination aus den teilweise löchrigen Texten und der monotoneren Wirkung fürs Auge macht’s nicht besser. Aus diesem Grund habe ich mich auch in diesem Blog für den Flattersatz entschieden. Vorerst.
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Ist es empfehlenswert, einfach immer dann nach der alten Schreibung zu gehen, wenn das möglich ist?
Die Antwort lautet: Nicht automatisch, und zwar aus mindestens zwei Gründen.
1. Zweifelsfrei geklärt?
Können Sie in jedem Fall eindeutig unterscheiden, welche Schreibung alt und welche neu ist? Meiner Erfahrung nach reibt sich jeder mal die Augen, weil man die Schreibungen genau andersherum verortet hätte.
Beispiel: zu Stande/zustande. Was ist neu?
Wer hier nach dem Muster von zugrunde bzw. mithilfe auf zu Stande = alt und zustande = neu getippt hat, lag schon falsch. Die Reformer haben 1996 die Schreibung zu Stande eingeführt, um die (eigentlich langsam veraltenden) Groß-/Getrenntschreibungen systematisch durchziehen zu können.
Oder wussten Sie, um ein weiteres Beispiel zu nennen, dass weh tun alt und wehtun neu ist? Erlaubt ist beides.
Wenn Sie sich sicher sind, dass Sie diese Unterscheidungen stets beherrschen, können Sie das Kriterium “Ich bleibe immer beim Bewährten” natürlich anwenden. Ansonsten ist Vorsicht geboten.
2. Nicht alles Neue ist schlecht
Die neuen Regeln und Schreibungen lassen sich nicht alle über einen Kamm scheren. Beispielsweise ist gegen das obengenannte mithilfe oder das ebenfalls neue sodass meines Erachtens nichts einzuwenden.
Wir können als Fazit festhalten: Die beste Strategie ist, nach der Qualität, nicht nach dem Geburtsdatum einer Schreibweise zu gehen.
