Aber bitte mit Komma (Teil 1)

Es ist beliebt, vor aber, sondern und (je)doch das Komma wegzulassen:

Kurz aber gut.
Langsam aber sicher.
Nicht heute sondern morgen.

Vermutlich überlegen sich die Schreiber, dass beispielsweise Teuer und gut, Sowohl langsam als auch sicher ohne Komma geschrieben werden, und setzen diese Konstruktionen mit den obigen gleich.

Indem wir uns im Vergleich ganze Sätze mit und bzw. aber ansehen, gelangen wir zur Fehlerquelle.

Der Esel iaht(,) und der Hund bellt.

Gegenbeispiel:

Der Esel ist mucksmäuschenstill, aber der Hund bellt.

Im Satz mit aber dürfen Sie das Komma nicht weglassen. Warum?

aber, sondern und jedoch stellen zwei Sätze oder Begriffe einander entgegen und heißen folgerichtig “entgegensetzende” oder “adversative Konjunktionen”. Vielleicht – als Merkhilfe – vergleichbar den Spielern einer Football-Mannschaft: Stünden sie brav nebeneinander, gäbe es kein Spiel. Konstruktionen mit aber und und sind zwei Paar Schuhe.

Vor aber, sondern, jedoch steht immer ein Komma, wenn sie zwei Satzglieder oder Sätze verbinden. Ja, auch dann, wenn nur zwei, drei Wörtchen durch die Konjunktion zusammengefügt werden:

Kurz, aber gut.
Langsam, aber sicher.
Nicht heute, sondern morgen.

Sie lächeln sicher milde, wenn ich Ihnen erkläre, dass in den folgenden beiden Fällen natürlich kein Komma vor aber steht. Anders als in sämtlichen vorangegangenen Beispielen werden hier nicht Begriffe einander entgegengesetzt.

Hildegard aber konnte damit nicht leben.
Da jedoch das Geld fehlte …

Das war doch alles einfach? Bleiben Sie dran. ;)

Von Fall zu Fall – Ausnahmen

Nachdem Sie sich mit dem ersten Teil dieses Artikels aufwärmen konnten, packen wir nun ein paar leichte Gewichte drauf.

Manche Präpositionen legen sich auf einen Fall fest. Sie können beispielsweise bei aufgrund mit dem Genitiv nie etwas falsch machen. Bei anderen gibt es Ausnahmen und Besonderheiten; gut, dass sie sich auf vier Bereiche eingrenzen lassen:

1. Ein Wort – zwei Fälle

Es sind zwei verschiedene Fälle alternativ erlaubt: trotz funktioniert mit Genitiv (trotz der eindringlichen Warnungen) oder – laut Duden vor allem im süddeutschen Raum – ebenso mit Dativ (trotz den eindringlichen Warnungen). Der Genitiv ist standardsprachlich die klar bevorzugte Variante.

Ähnlich ist es bei dank: dank dem beherzten Eingreifen ist zwar nicht falsch, gilt aber zu Recht als zweite Wahl.

Der Genitiv kann aber auch die zweite Geige spielen, wie bei binnen: Hier wird der Genitiv (binnen mehrerer Wochen) vom Duden als “gehoben” auf die hinteren Ränge verwiesen und der Dativ (binnen mehreren Wochen) als Standard genannt.

Pro können Sie mit Akkusativ und Dativ verbinden: pro neuen Computer steht in etwa gleichberechtigt neben pro neuem Computer.

2. Ein Wort – zwei Wortarten

Manchmal kann ein Wort nicht nur als Präposition aufgefasst werden, sondern je nach Kontext auch als Adverb bzw. Konjunktion.

Das Paradebeispiel hierzu ist plus:

Präposition: plus der beiden Bonustitel
Konjunktion: plus die beiden Bonustitel

Konjunktionen sind Wörter wie und; Sie könnten hier also testweise auch und statt plus einsetzen: und die beiden Bonustitel.

Pro und je sind sich so ähnlich, dass man leicht die Unterschiede übersieht. Im Gegensatz zu pro ist je auf Akkusativ beschränkt: je neuen Bewerber.

Andererseits lässt sich je als Adverb verwenden. Darum ist je neuer Bewerber korrekt. Wenn Sie mich fragen, was geläufiger ist: Gehen Sie im Einzelfall ruhig nach Gefühl, was stimmiger klingt; grob geschätzt würde ich der Verwendung als Präposition den Vorzug geben, also je neuen Teilnehmer.

3. Alleinstehendes Bezugswort

Das Bezugswort steht ohne Artikel bzw. Mengenangabe da und wird deshalb nicht dekliniert (gebeugt): einschließlich Begrüßungsgeschenk; inklusive München.

4. Fallwechsel bei Plural

Im Singular (Einzahl) steht ein Wort beispielsweise im Genitiv: bezüglich Ihres Antrags. Im Plural (Mehrzahl) bleibt der Genitiv nur dann bestehen, wenn er deutlich erkennbar ist: bezüglich Ihrer Anträge. Das Ihrer sorgt für die Erkennbarkeit. Geht es hingegen allgemein um irgendwelche Anträge, dann wechseln Sie in den Dativ: bezüglich Anträgen. Das gilt unter anderem auch für einschließlich, mangels, je.

Im Zweifelsfall muss man nachschlagen, welches der Wörter sich wie verhält. Ich hoffe, Sie sind jetzt gewappnet zu erkennen, wann es kritisch wird und der Griff zum Wörterbuch eine gute Idee ist.

Von Fall zu Fall – Übersicht

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So geballt wie in diesem fiktiven Werbetext springen einen falsche Fallverwendungen selten an und fallen oft nicht mal auf. Die meisten Satz-Kleinteilchen – vor allem sind es Präpositionen – werden mit Genitiv verbunden, z. B. aufgrund des … oder mangels eines … Das verführt dazu, überzugeneralisieren und munter alles mit dem Genitiv zusammenzutackern, was nicht laut und deutlich genug “Dativ” oder “Akkusativ” schreit.

Die folgende Liste ist ein Angebot, damit die Zuordnungen in Zukunft sicherer von der Hand gehen. Im zweiten Teil dieses Artikels sehen wir uns die Ausnahmen und Besonderheiten an, auf die man achten muss.

Genitiv

Dativ

Akkusativ

“dass” oder “das”?

Seit 1996 liest man weitaus häufiger Sätze wie Ich konnte mit dem Buch, dass mir empfohlen wurde, nichts anfangen. Meist ist es ein Tipp- bzw. Flüchtigkeitsfehler, das zweite s rutscht schnell mit raus.

Im Zuge der neuen ss/ß-Regelung ist aber auch Unsicherheit aufgekommen: Werden dass und das jetzt ebenfalls anders geschrieben? Nein, hier hat sich nichts geändert. Für alle, die dieses Pärchen noch nie so ganz auseinanderhalten konnten, gibt es einen Kniff.

Mit s (bestimmter Artikel bzw. Pronomen)

das Gemälde

ein Gerücht, das nicht mehr aufzuhalten war

Der (bestimmte) Artikel das ist durch den unbestimmten Artikel ein ersetzbar: ein Gemälde

Das Relativpronomen das lässt sich durch welches ersetzen: ein Gerücht, welches nicht mehr aufzuhalten war

Mit Doppel-s (Konjunktion)

Ich hatte gehofft, dass der neue Duden endlich wieder schmaler wird.

Zum Vergleich und als Gegenprobe: Ich hatte gehofft, welches der neue Duden endlich wieder schmaler wird. darf man auf gut Bayrisch als Schmarrn bezeichnen. dass leitet Nebensätze ein, das bezieht sich auf ein Substantiv (Gemälde, Gerücht).

 



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