Kopplungstechnik
Über den folgenden interessanten Fall hatten wir im Seminar geknobelt. Natürlich sind Name und Situation hier abgeändert.
Nehmen wir an, eine Firma heißt Franke & Müller. Sie sitzen an dem Webauftritt des Unternehmens, das Filialen in ganz Deutschland hat; nun schreiben Sie den Beitrag zum Hauptsitz in Berlin. Wie lassen sich Firmenname und Hauptsitz am besten koppeln? Natürlich könnten Sie auf andere Schreibweisen ausweichen, aber das will die Firma in unserem Beispiel nicht.
Die Möglichkeiten, die wir durchgespielt hatten, waren:
Franke & Müller-Hauptsitz
Nicht gekoppelt, also falsch und zudem leserunfreundlich.
Franke-&-Müller-Hauptsitz
Perfekt verbunden und doch nicht schön.
Franke-und-Müller-Hauptsitz
Das funktioniert nicht, weil die exakte Schreibung eines Firmennamens in der Regel festgelegt ist.
Mein Vorschlag ist, das Prinzip der Lesbarkeit zu erhalten und gleichzeitig die Bindestriche innerhalb des Namens wegzulassen:
„Franke & Müller”-Hauptsitz
Kursiv statt Anführungszeichen geht im Prinzip, ist aber optisch zweite Wahl und natürlich ebenfalls gegen die Regel, den Namen nicht anzutasten; in diesem Fall also keine Option.
Die als Lösung gewählten Anführungszeichen machen den Bindestrich strenggenommen zwar nicht überflüssig. Allerdings fassen sie den Begriff bzw. Namen bereits zu einer Einheit zusammen und kennzeichnen ihn als solche. Und das ist ja Sinn der Sache.
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Literaturtipp: Grundregeln der deutschen Rechtschreibung
Inhalt
Der Text der Amtlichen Regelung ist für Otto Normalschreiber ähnlich verständlich wie eine auf Esperanto geschriebene Gebrauchsanweisung. Peter Eisenbergs “Grundregeln der deutschen Rechtschreibung” stellt quasi als Übersetzungshilfe auf knapp 95 Seiten plausibel die aktuellen Regeln dar, mit vielen Beispielen und Zusatzerklärungen. Der Autor verdeutlicht darüber hinaus die Gründe und Hintergründe der Regeln.
Eisenberg richtet sich an den “kompetenten Sprachteilhaber”, also eher an fortgeschrittene Anwender. Wenngleich die Inhalte so klar wie möglich dargestellt sind, setzt das Buch die Kenntnis von Fachbegriffen voraus und geht tiefer in die Materie, als es schmale Einführungsbändchen gewöhnlich tun.
Einige Inhalte des Workshops können so vertieft werden, zum Beispiel erörtert Eisenberg diverse Betonungstests weitgehender und differenzierter, als es im Seminar möglich war.
Mir persönlich fehlen zuweilen deutlichere Erklärungen, warum Varianten nicht immer eins zu eins funktionieren, zum Beispiel bei fleischfressend vs. Fleisch fressend. An einigen Stellen gibt der Autor Hinweise zur unterschiedlichen Verwendung von Varianten (so auf Seite 64 zu aufs herzlichste/aufs Herzlichste), hier tut er es nicht.
Das Buch empfiehlt sich, wenn man mehr will als lediglich eine 08/15-Übersicht, die sich darauf beschränkt, die Regeln kurz anzureißen und ein paar Beispiele zu nennen.
Autor
Peter Eisenberg ist Professor für Sprachwissenschaft an der Universität Potsdam und unter anderem Autor des Grammatik-Standardwerks “Grundriss der deutschen Grammatik”. Prominent wurde er als Reformer und Kritiker der deutschen Rechtschreibreform. Derzeit gehört dem Rat für deutsche Rechtschreibung an.
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freistellen
Wenn Adjektiv und Verb gesteigert werden, schreibt man getrennt. Übertragen gebrauchte Zusammensetzungen heben diese Regel aus, ein schönes Beispiel hierzu ist freigestellt.
Man vergleiche:
Das ist Ihnen völlig freigestellt.
Das ist Ihnen völlig frei gestellt.
Letzteres tut beim Lesen genauso weh wie beim Schreiben, weil völlig sich nicht allein auf das Adjektiv frei bezieht sondern auf den gesamten Begriff freigestellt.
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